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Das Projekt
Der Hintergrund
Ein halbjähriger Jugendaustausch im Jahr 2003 in Ghana hat meine Faszination für die Kulturen Westafrikas erweckt. Seither bin ich mehrmals nach Ghana zurückgekehrt, habe aber auch andere Länder im westlichen Afrika besucht und bin dabei auf Unterschiede zu und Gemeinsamkeiten mit meiner „Basis“, Ghana, aufmerksam geworden.
Moderne afrikanische Identität
Geformt und gleichzeitig zerschnitten durch koloniale Staatsgrenzen, ist diesen Ländern vieles gemein: Der Balanceakt zwischen westlichen Idealen und den eigenen Traditionen, welcher auch in den Künsten seinen Ausdruck findet, ist nur ein Beispiel dafür. Die folkloristische Kunst der Schildermalerei veranschaulicht dies auf eine besonders ansprechende und farbenfrohe Weise. So werden Wege gesucht und gefunden, westliche Werbeprinzipien an die eigenen Bedürfnisse und Mittel anzupassen. Es entstehen - Öl auf Holz - farbenprächtige Ladenschilder mit mutigen Titeln, verheissungsvollen Werbetexten und Illustrationen, die mit einer bemerkenswerten Unbefangenheit über Gesetze der Proportionen und Perspektiven hinwegsehen und den Betrachter durch ihre frische Weise aufmuntern.

Das Angebot auf dem Markt
Dass diese Kunstwerke, welche das bunte Treiben entlang der Strassen durch ihre eigene Farbigkeit zusätzlich unterstreichen, dem aufmerksamen Reisenden ins Auge stechen, verwundert kaum. Mit etwas Glück findet der Tourist auf einem Souvenirmarkt ein besonders schönes Exemplar zum Verkauf ausgestellt. Gewiss ist eine solche Reiseerinnerung im Vergleich zum Export von originalen, rituellen Masken oder Statuen relativ unproblematisch. Die Herkunft der teils charmant verwitterten Schilder auf den Souvenirmärkten bleibt aber meist im Dunkeln.
Wenn dies auch kaum die Folge des kleinen Touristenmarktes, sondern vielmehr Ausdruck eines Strebens nach Moderne sein mag: Es zeichnet sich in städtischen Gebieten die Tendenz ab, dass handgemalte Schilder nach und nach durch eintönige, maschinell gefertigte Plakate ersetzt werden.
Fairer Handel
Eine Möglichkeit, im kleinen Rahmen auf diese unglückliche Entwicklung zu reagieren, sehe ich darin, der Kunst der Schildermalerei gebührenden Respekt und Wertschätzung entgegenzubringen. So habe ich nach aufmerksamem Herumhören und -schauen in Sekondi, Südwestghana, den Schildermaler Charles Biney kennen gelernt und ihm von meiner Idee eines Kunstimportes in die Schweiz erzählt. Das Prinzip ist einfach: Ich gebe dem Künstler den Auftrag, ein bestimmtes Schild zu malen und überweise den Betrag, um Arbeit, Material und die Versandkosten zu bezahlen. Ich verkaufe das Bild hier und sende den Gewinn zurück nach Ghana. Charles war von der Idee begeistert. Der Schilderexport in die Schweiz würde es ihm längerfristig ermöglichen, sein Atelier zu vergrössern und womöglich sogar Lehrlinge auszubilden. Seit Oktober 2006 läuft nun der Schilderimport und der Verkauf in der Schweiz. Alle vier bis fünf Monate trifft eine neue Lieferung ein.
Und nun wünsche ich viel Freude beim Betrachten der farbenfrohen Schilder!
Hannes Müller
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